
UFC 328
Review
UFC 328 in Newark war kein Event, das man mit einem einzigen Highlight-Clip sauber erklären kann. Dafür war der Main Event zu eng, zu taktisch, zu dreckig im besten Sinne. Khamzat Chimaev kam als ungeschlagener Champion, als physisches Problem, als Fighter, der Kämpfe normalerweise nicht wachsen lässt, sondern sie direkt erstickt.
Main Event Review: Chimaev vs Strickland
Der Abend, an dem Chaos Kontrolle traf
Sean Strickland kam als ehemaliger Champion zurück – und ging als zweifacher UFC-Mittelgewichtschampion wieder raus. Split Decision. 47-48, 48-47, 48-47.
Ein knapper Kampf, ein diskutables, aber vertretbares Ergebnis und vor allem: Chimaevs erste MMA-Niederlage. Die UFC selbst rahmte den Abend entsprechend ein: Strickland ist wieder Champion, Chimaev erstmals geschlagen, der Titelkampf war „ultra-competitive“. Genau so fühlte er sich auch an.
Das war kein klassischer Upset, bei dem einer komplett entgleist. Das war subtiler. Strickland nahm Chimaev Stück für Stück die einfachen Antworten weg.
Die erste Runde gehörte Chimaev. Nicht hübsch, aber eindeutig. Er machte das, was er am besten kann: Druck, Klammern, auf den Körper, in den Clinch, runter auf die Matte. Strickland musste früh verteidigen, Rückenpositionen absichern, Hände kontrollieren und vor allem ruhig bleiben.
Und genau da begann der eigentliche Kampf.
Chimaev hatte Kontrolle, aber nicht den Durchbruch. Strickland überlebte nicht panisch, sondern handwerklich. Keine wilden Scrambles, kein übermotiviertes Aufstehen. Er nahm den schlechten Moment, machte ihn kleiner und kam zurück in seine Komfortzone.
Ab Runde zwei wurde der Kampf anders. Strickland fand seinen Jab, seine Distanz, seinen unorthodoxen Rhythmus. Vorwärtslaufen ohne großes Theater, permanentes Stören. Boxen, das nicht spektakulär aussieht, bis man merkt, dass der andere plötzlich nicht mehr frei arbeiten kann.
Chimaev blieb gefährlich. Keine Frage. Seine Takedowns, seine rechte Hand, seine Körperarbeit – alles war da. Aber er musste härter arbeiten, um dahin zu kommen. Und je länger der Kampf lief, desto mehr wurde das zum Problem.
Am Ende standen fünf Runden, ein gesplittetes Urteil und ein neuer alter Champion.
Strickland neutralisierte Chimaevs Grappling nicht komplett – dafür bekam Chimaev zu viele Takedowns und Kontrollphasen. Entscheidend war, dass Strickland daraus selten echte Katastrophen entstehen ließ: Er blieb ruhig, verteidigte mit Handkontrolle, Hüfte und Geduld, arbeitete sich aus schlechten Positionen heraus und zwang Chimaev immer wieder zum Neustart.
Im Stand war sein Jab der rote Faden: kein spektakuläres Werkzeug, aber ein permanenter Störfaktor, der Chimaevs Entries erschwerte. Chimaev blieb gefährlich, vor allem mit explosiven Angriffen und Druck am Zaun, doch über fünf Runden fehlte ihm die Effizienz, um Strickland dauerhaft zu dominieren.
Strickland gewann nicht durch Glanz, sondern durch Disziplin, Rhythmus und Nervenstärke. Für ihn ist der Sieg riesig: Zweimal Mittelgewichtschampion zu werden und Chimaev die erste Niederlage zuzufügen, stärkt seine Legacy enorm und bucht ihm jetzt wohl auch endgültig einen Platz in der UFC-Hall of Fame. Chimaev ist dadurch nicht entzaubert, aber seine Aura ist angekratzt und die Division steht nun vor der Frage: sofortiges Rematch, neuer Herausforderer oder Chimaevs Weg zurück über einen Statement-Fight?
Nach dem Kampf haben sich Vermutungen, dass das ganze Bad-Blood geschimpfe im Vorfeld ein gefälschter Ticket-Verkaufs-Gag war, bestätigt. Die beiden Kontrahenten behandelten sich ab Minute 1 mit fast überschwänglichem Respekt. Also widmen wir dieser Thematik nur diesen letzten kurzen Absatz.
Joshua Van vs. Tatsuro Taira
Der heimliche Fight des Abends
So stark der Main Event sportlich war: Der spektakulärste Kampf des Abends lief im Co-Main Event.
Joshua Van gegen Tatsuro Taira war Flyweight-MMA auf absolutem Topniveau. Schnell, technisch, brutal intensiv und mit genau diesem Tempo, bei dem man kurz vergisst, dass Menschen eigentlich nicht fünf Runden lang so arbeiten sollten. Für mich war das einer der besten Flyweight-Kämpfe, die ich je gesehen habe.
Taira brachte früh seine typische Grappling-Gefahr ein. Sobald er an Van dran war, wurde es sofort eng: Clinch, Übergänge, Kontrolle, permanente Gefahr durch Scrambles und Positionswechsel. Van musste nicht nur physisch dagegenhalten, sondern vor allem mental stabil bleiben. Und genau das machte seine Leistung so beeindruckend. Er wirkte nie überfordert, selbst wenn Taira Phasen hatte, in denen der Kampf klar in seine Richtung kippte.
Van fand mit jeder Runde bessere Antworten. Im Stand wurde er schärfer, seine Kombinationen kamen sauberer, und er begann, Taira für jeden misslungenen Entry bezahlen zu lassen. Das war kein einzelner Lucky Moment, sondern ein langsames Aufdrehen: mehr Druck, mehr Treffer, mehr Schaden. Während Taira weiter versuchte, den Kampf ins Grappling zu ziehen, wurde Van im Boxen immer gefährlicher. Daneben muss man dem japanischen Herausforderer ebenso Respekt zollen, der nach mehreren Knockdowns mit dem Messer zwischen den Zähnen weiter nach vorne maschierte.
Der Finish in Runde fünf war dann die passende Krönung für einen Kampf, der ohnehin schon alles hatte: Tempo, Technik, Drama und Momentumwechsel. Van bewies nicht nur, dass er Champion ist – er zeigte, dass er auch dann Lösungen findet, wenn ein Gegner ihn an Orte bringt, an denen es richtig unangenehm wird. Genau solche Kämpfe machen die Flyweight-Division so besonders: keine Pausen, keine leeren Phasen, nur Skill auf maximaler Geschwindigkeit.
Restliche Main Card
Alexander Volkov vs. Waldo Cortes-Acosta
Alexander Volkov besiegte Waldo Cortes-Acosta per einstimmiger Entscheidung.
Keine wilde Abrissbirne, kein viraler Moment – eher ein typischer Volkov-Sieg. Lang, erfahren, kontrolliert, schwer sauber zu attackieren.
Volkov bleibt im Heavyweight eine Art Qualitätstest. Wer an ihm vorbei will, muss mehr mitbringen als Power.
Sean Brady vs. Joaquin Buckley
Sean Brady gewann klar gegen Joaquin Buckley.
Die Scorecards waren deutlich: 30-25, 30-25, 30-27.
Das war ein Statement für Struktur. Brady nahm Buckley Räume, Rhythmus und Explosivität. Buckley lebt von Momenten, Brady ließ ihm kaum welche. Nicht sexy, aber brutal effektiv.
King Green vs. Jeremy Stephens
King Green beendete den Kampf gegen Jeremy Stephens per Rear-Naked Choke in Runde eins.
Offiziell gelistet wurde der Finish bei 4:20 der ersten Runde.
Green zeigte, dass Veteranen-Craft nicht nur bedeutet, lange dabei zu sein. Es bedeutet, kleine Fehler sofort zu erkennen – und sie ohne Umweg zu bestrafen.
Bonuszahlungen und besondere Momente
Auch bei den Bonuszahlungen wurde der Co-Main Event zurecht geadelt: Joshua Van vs. Tatsuro Taira bekam den Fight of the Night, völlig verdient für diesen wilden Flyweight-Titelkampf mit Scrambles, Tempo, Schaden und einem Finish in Runde fünf. Beide erhielten dafür jeweils 100.000 Dollar.
Die Performance of the Night-Boni gingen an Jim Miller, der bei seinem 47. UFC-Auftritt Jared Gordon per Guillotine Choke finishte, und Yaroslav Amosov, der Joel Alvarez per Arm-Triangle Choke stoppte. Zusätzlich gab es laut Berichten für weitere Finishes noch Extra-Boni in Höhe von 25.000 Dollar. Auch wirtschaftlich war UFC 328 ein Volltreffer: 17.783 Zuschauer im Prudential Center und ein Gate von 7.518.918 Dollar machten den Abend in Newark auch abseits des Käfigs stark.
Wie geht es weiter?
Bekommt Chimaev direkt sein Rematch oder muss er sich, wie Strickland selbst angedeutet hat, erst wieder beweisen? Sportlich ist ein zweiter Kampf vertretbar, weil die erste Begegnung extrem eng war – aber Strickland hat als neuer Champion gute Argumente, nicht sofort wieder denselben Gegner vor die Nase gesetzt zu bekommen. Chimaevs Team drängt bereits auf eine zweite Chance, während gleichzeitig über seinen schwierigen Weight Cut und sogar einen möglichen Schritt ins Halbschwergewicht gesprochen wird. Für Strickland geht es jetzt darum, diese zweite Titelregentschaft nicht nur als Überraschung, sondern als echte Ära zu bestätigen.
Joshua Van wird in Alexandre Pantoja seinen nächsten Kontrahenten finden. Dem Sieger dieses Duells steht die Flyweight Zukunft offen.
Wir hören uns nach dem nächsten Event wieder, Corner-Community.