
UFC 329
Review
Es war alles angerichtet für einen dieser Abende, über die der MMA-Sport noch Jahre später spricht. Conor McGregor kehrte nach fünf Jahren zurück, Max Holloway wartete auf seine Revanche und die T-Mobile Arena war bereit für ein großes Finale. Doch dann kam alles anders...
Max Holloway vs. Conor McGregor 2:
Ein Sieg ohne Siegergefühl
Conor McGregor wollte keine Zeit verlieren. Direkt zu Beginn setzte er zu einem gesprungenen Scissor Kick an: spektakulär, aggressiv und vollkommen passend zu einem Mann, der der Welt sofort beweisen wollte, dass er noch immer „The Notorious“ ist.
Doch bei der Landung gab sein Knie nach.
McGregor versuchte weiterzumachen. Zweimal rutschte er zu Boden, während Holloway bereits bemerkte, dass etwas nicht stimmte. Der Hawaiianer fragte sogar den Ringrichter, ob dieser eingreifen wolle. Nachdem Holloway noch einen Kick landete und McGregor erneut unsicher zurückwich, wurde der Kampf nach 1:09 Minuten beendet.
Offiziell ist es ein TKO-Sieg für Max Holloway. Emotional fühlt es sich jedoch nicht wie eine Revanche an.
Holloway wollte die Niederlage aus dem Jahr 2013 sportlich ausgleichen. Er wollte McGregor schlagen, dominieren oder brechen. Stattdessen wurde er zum machtlosen Beobachter eines weiteren körperlichen Zusammenbruchs seines Gegners. Dass Holloway McGregor anschließend sofort tröstete, zeigte mehr über ihn als jeder Schlag an diesem Abend.
Für Holloway könnte nun ein Rückkampf gegen den frisch gekrönten Lightweight-Champion Justin Gaethje interessant werden. Der Name McGregor dürfte vorerst dagegen aus allen sportlichen Planungen verschwinden. Wie schwer die Verletzung tatsächlich ist und ob der Ire noch einmal zurückkehren kann, wird die Zukunft zeigen. Näher behandeln wir das in War's das? - Conor McGregor.
Dieser Kampf hat keine der großen Fragen beantwortet. Wir wissen nicht, wie gut McGregor nach fünf Jahren Pause noch ist. Wir wissen nicht, ob Holloway ihn diesmal wirklich geschlagen hätte. Und wir wissen weiterhin nicht, ob die Geschichte dieser beiden Männer tatsächlich beendet ist.
Paddy Pimblett liefert die beste Leistung seiner Karriere
Der Sieger des Abends kommt aus England
Während der Main Event nur Fragezeichen hinterließ, setzte Paddy Pimblett im Co-Main Event ein deutliches Ausrufezeichen.
Benoît Saint Denis suchte früh den Takedown und fand sich innerhalb weniger Sekunden in einem Albtraum wieder. Pimblett griff zunächst die Guillotine an, wechselte anschließend in den D’Arce Choke und passte den Griff so lange an, bis Saint Denis bewusstlos wurde.
52 Sekunden. Keine Diskussion. Keine Kontroverse. Kein knapper Punktentscheid.
Das war die bisher stärkste Leistung in Pimbletts UFC-Karriere. Nicht nur wegen der Geschwindigkeit, sondern wegen der Ruhe und technischen Präzision, mit der er einen gefährlichen Gegner bestrafte. Saint Denis ist normalerweise derjenige, der durch Chaos und Druck Kämpfe an sich reißt. Gegen Pimblett wurde seine Aggressivität zum entscheidenden Fehler.
Pimblett ist damit endgültig in der Spitzengruppe des Lightweights angekommen. Aus dem polarisierenden Publikumsliebling ist ein echter Titelanwärter geworden. Sein nächster Kampf muss eine große Bedeutung haben: ein Titel-Eliminator oder ein Duell mit einem etablierten Namen aus den Top 5.
Der Hype trägt Paddy Pimblett schon lange. Bei UFC 329 lieferte er erstmals eine Leistung ab, die sogar noch größer war als der Hype.
Restliche Main Card
Mario Bautista nimmt Revanche
Mario Bautista hat einen alten Kreis geschlossen. Cory Sandhagen hatte ihn bei seinem UFC Debüt besiegt. Jahre später bekam Bautista seine zweite Chance und nutzte sie.
Sandhagen startete besser und landete zunächst die klareren Treffer. Ein Suloev Stretch von Bautista hinterließ jedoch sichtbare Spuren am Bein des ehemaligen Titelherausforderers.
Im dritten Durchgang erhöhte Bautista den Druck, brachte Sandhagen zu Boden und sicherte sich den entscheidenden Abschnitt. Alle drei Punktrichter werteten den Kampf mit 29:28 für Bautista.
Es war kein dominanter Sieg, aber ein wichtiger. Bautista dürfte nun in die Top 5 des Bantamweights aufsteigen und hat sich einen weiteren großen Kampf verdient.
Brandon Royval gewinnt den Kampf des Abends
Brandon Royval und Lone’er Kavanagh lieferten das spektakulärste Duell der Main Card.
Royval kontrollierte die erste Runde mit seiner Reichweite und seinem Jab. Kavanagh schlug im zweiten Durchgang zurück, brachte den Amerikaner zu Boden und landete die härteren Treffer.
In der dritten Runde entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Kavanagh griff schließlich eine Guillotine an, verlor dabei jedoch die Position. Royval nutzte den Fehler, nahm den Rücken und beendete den Kampf mit einem Rear Naked Choke. Kavanagh zeigte trotz der Niederlage, dass er mit der Weltspitze mithalten kann. Royval bewies erneut, warum er zu den gefährlichsten und unterhaltsamsten Flyweights der UFC gehört.
King Green dreht den Kampf in letzter Sekunde
Terrance McKinney dominierte fast die gesamte erste Runde. Er setzte Green unter Druck, brachte ihn zu Boden und suchte mehrfach nach einer Submission.
Green blieb jedoch ruhig und wartete auf seine Chance.
Kurz vor dem Ende der Runde arbeitete er sich zurück auf die Beine, traf McKinney zum Körper und setzte sofort nach. Der Kampf wurde bei 4:59 Minuten beendet.
Eine Sekunde später wäre die Runde vorbei gewesen.
Green steht nun bei vier Siegen in Folge und drei vorzeitigen Erfolgen hintereinander. Mit 39 Jahren zeigt er weiterhin, dass man ihn niemals abschreiben darf.
Wie geht es weiter?
Für Max Holloway wäre ein erneuter Kampf gegen Justin Gaethje eine logische Option.
Paddy Pimblett sollte als Nächstes einen Gegner aus den Top 5 bekommen. Mario Bautista hat sich ebenfalls einen Kampf mit Titelbedeutung verdient.
Brandon Royval braucht vermutlich noch einen großen Sieg für eine weitere Titelchance. King Green sollte seinen gewünschten Auftritt in Los Angeles erhalten.
Bei Conor McGregor stehen zunächst die medizinischen Untersuchungen im Mittelpunkt. Erst danach wird sich zeigen, ob ein weiteres Comeback überhaupt möglich ist.