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War's das?

Es sollte die Rückkehr werden, auf die eine ganze Sportart fünf Jahre gewartet hatte.

Noch einmal diese Musik. Noch einmal der Gang durch die Arena. Noch einmal Conor McGregor im Mittelpunkt einer Welt, die er selbst größer, lauter und glänzender gemacht hatte. Es ging längst nicht mehr nur um einen Sieg gegen Max Holloway. Es ging um die Frage, ob der Mann, der einst alles vorhergesagt und anschließend wahr gemacht hatte, sich auch selbst noch einmal retten könnte.

Dann dauerte alles nur 69 Sekunden.

McGregor eröffnete den Kampf mit einem gesprungenen Kick, landete unglücklich auf seinem rechten Bein und verlor die Stabilität. Er versuchte weiterzukämpfen. Versuchte aufzustehen. Versuchte, seinem Körper zu befehlen, noch ein einziges Mal mitzumachen. Doch das Knie gab nach. Der Kampf wurde nach 1:09 Minuten der ersten Runde abgebrochen und offiziell als TKO-Sieg für Holloway gewertet.

Kein Knockout. Keine klare Niederlage. Kein Moment, in dem der bessere Kämpfer endgültig bewiesen wurde.​ Nur ein Körper, der nicht mehr wollte.

Die grausamste Art einer Niederlage

Conor McGregor hat in seiner Karriere verloren. Gegen Nate Diaz. Gegen Khabib Nurmagomedov. Gegen Dustin Poirier. Er wurde ausgechoked, ausgeboxt und ausgeknockt.

Aber diese Niederlage fühlte sich anders an.

Vielleicht, weil sie nicht wirklich wie eine Niederlage wirkte. Eher wie eine Fortsetzung jenes Albtraums, der im Juli 2021 begann, als McGregors Bein im dritten Kampf gegen Poirier brach. Danach folgten Operationen, Rehabilitation und jahrelange Spekulationen über ein Comeback. Der geplante Kampf gegen Michael Chandler im Juni 2024 platzte wegen eines gebrochenen Zehs. Nun stand McGregor endlich wieder im Octagon und erneut beendete sein eigener Körper den Abend.

Fünf Jahre Arbeit. Fünf Jahre Warten. Fünf Jahre zwischen Hoffnung, Selbstzerstörung, Versprechen und Zweifeln.​ Vorbei nach 69 Sekunden.

Man sah McGregor am Boden und für einen Moment war da nicht „The Notorious“. Da war nicht der Doppelchampion. Nicht der Mann im Maßanzug, der seine Gegner mit einem Satz kleiner machen konnte. Nicht der größte Star, den dieser Sport jemals hervorgebracht hat. Da war einfach ein Mensch, der nicht verstand, warum ihm das gerade passierte.

Max Holloway erzählte später, dass McGregor selbst verletzt noch weitermachen wollte. Als Holloway ihn am Boden traf, forderte McGregor ihn zum Kämpfen auf. Holloway ging zurück, ließ ihn aufstehen, doch McGregors Bein trug ihn nicht mehr. Seine Kinder saßen in der ersten Reihe. Holloway wollte nicht, dass ihr Vater unnötigen Schaden nimmt, und drängte ebenfalls auf ein Ende des Kampfes.

Es war ein kleiner Moment. Aber vielleicht sagte er mehr über diesen Abend aus als jede Statistik.

Ein anderer Conor

Schon beim Walkout wirkte McGregor anders.

Ruhiger. Fast nachdenklich. Holloway sagte nach dem Kampf, dass er nicht den alten, wilden Conor gesehen habe. McGregor sei ungewöhnlich ruhig gewesen, aber eindeutig bereit zu kämpfen.

Vielleicht war genau das die große Hoffnung dieses Comebacks.

Nicht, dass der 2015er-McGregor plötzlich wieder auftaucht. Dieser junge, hungrige Mann, der José Aldo in 13 Sekunden ausknockte, existiert nicht mehr. Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Auch nicht mit Geld, Ruhm oder grenzenlosem Selbstvertrauen.

Die Hoffnung war, dass ein neuer Conor zurückkehrt.

Einer, der verstanden hat, wie viel er beinahe verloren hat. Einer, der seine Familie im Publikum sieht und weiß, dass er nicht mehr nur für sich selbst kämpft. Einer, der nicht mehr vor jedem Kampf eine komplette Stadt beleidigen muss, um sich lebendig zu fühlen.

McGregors Geschichte ist keine saubere Heldengeschichte. Dafür hat er sich außerhalb des Käfigs zu oft selbst beschädigt, zu viele Grenzen überschritten und zu viel Sympathie verspielt. Man muss seine Fehler nicht vergessen, um Mitgefühl für den Kämpfer zu empfinden, der an diesem Abend am Boden saß.

Menschen sind widersprüchlich. Man kann enttäuscht von Conor McGregor sein und sich trotzdem wünschen, dass dies nicht sein letztes Bild im Octagon bleibt.

„Ich war so bereit“

Nach dem Kampf schrieb McGregor, er sei scharf, ruhig und voller Selbstvertrauen gewesen. Spekulationen, er sei bereits verletzt in den Kampf gegangen, bezeichnete er als Unsinn. Er sprach von Schock, Dunkelheit und der Hölle, versprach aber gleichzeitig, sich davon nicht brechen zu lassen.

Er werde zurückkehren.

Zwei Tage später wurde seine Botschaft konkreter: Operation, Vorbereitung, Rückkehr zum Kampfsport und anschließend der letzte Kampf seines bestehenden UFC-Vertrags.

Natürlich klingt das nach Conor McGregor.

Dieser Mann hat nie öffentlich akzeptiert, dass etwas vorbei ist. Selbst in seinen dunkelsten Momenten spricht er von Wiedergeburt. Wo andere ein Ende sehen, verkauft McGregor den nächsten Anfang.

Doch diesmal reicht kein Tweet. Kein Trailer. Keine Pressekonferenz. Kein Foto aus dem Training.

Diesmal beginnt der Kampf nicht unter den Scheinwerfern von Las Vegas. Er beginnt wieder in einem Krankenhauszimmer. Danach in der Reha. Bei den ersten vorsichtigen Schritten. Bei jeder Kniebeuge, jedem Tritt und jedem Moment, in dem der Kopf weitermachen will, während der Körper sich an all die vergangenen Verletzungen erinnert.

Und vielleicht ist das die ehrlichste Prüfung seiner gesamten Karriere.

War’s das?

Der vernünftige Teil in uns sagt: wahrscheinlich.

McGregor hat gerade seinen zweiten Kampf in Folge durch eine schwere Bein- beziehungsweise Knieverletzung verloren. Zwischen beiden Auftritten lagen fünf Jahre. Nun wartet die nächste Operation. Er hat Geld, Unternehmen und eine Familie. Er muss niemandem mehr beweisen, dass er mutig ist.

 

Vielleicht wäre es richtig, aufzuhören. Vielleicht wäre der Versuch eines weiteren Comebacks nur das nächste Kapitel einer Geschichte, die ihr perfektes Ende längst verpasst hat. Aber dieser Sport ist nicht vernünftig.

Dieser Sport lebt von Menschen, die ein letztes Mal aufstehen, obwohl niemand mehr damit rechnet. Von Kämpfern, die nicht deshalb zurückkehren, weil sie noch einen Titel brauchen, sondern weil sie selbst bestimmen wollen, wie ihre Geschichte endet.

McGregor muss nicht noch einmal Champion werden. Er muss keinen jungen Contender schlagen. Er muss auch nicht so tun, als wäre die Zeit stehen geblieben. Vielleicht braucht es nur noch einen letzten Walkout.

Einen Kampf, in dem sein Körper hält. Einen Abend, an dem wir nicht über Verletzungen, Operationen oder verschobene Comebacks sprechen. Einen Moment, in dem McGregor noch einmal das tun darf, wofür ihn Millionen Menschen entweder geliebt oder gehasst haben. Kämpfen.

Nicht, weil wir den alten Conor zurückhaben wollen.

Sondern weil kein Kämpfer auf diese Weise gehen sollte.

Wenn einer davon zurückkommen kann, dann Conor. Zeig es uns ein letztes Mal.

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